Frank Zucht

"In die Wildnis"

Malerei

11.06.2022 - 10.07.2022

Eröffnung: 11.06.2022 um 16:00 Uhr
Galerie im Theater an der Ilmenau
Greyerstraße 3, 29525 Uelzen

Öffnungszeiten

Freitag / Samstag 15 – 18 Uhr Sonntag 11 – 13 Uhr und 15 - 18 Uhr; Besuch von Gruppen nach Absprache mit der 2. Vorsitzenden des KVU Renate Schmidt, Tel. 0581-76675 oder 0170-332 50 29
Zucht_Verdeckte Identität, 2021, 115 x 85 cm
Zucht_Verdeckte Identität, 2021, 115 x 85 cm

ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG

am Samstag, 11.Juni 2022 um 16 Uhr in der
Galerie des Kunstvereins im Theater an der Ilmenau

Begrüßung

Almke Matzker-Steiner

1.Vorsitzende des Kunstvereins Uelzen

Einführung

Christoph Tannert

Künstlerische Leitung Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Musik

Musikschule für Kreis und Stadt Uelzen

 

Zwei Workshops begleiten die Ausstellung

12. Juni „Buchbinden und (Geschenk)Boxen“

So, 10.00-18.00 Uhr

19./20. Juli Ferienangebot:

Workshop für Kinder von 6-10 Jahre

„In die Wildnis“ Tiere -selbst gestaltet

Di/Mi 9.00 -13.00 Uhr

Ort:

 

Leitung:

Galerie im Theater a. d. Illmenau

Greyerstr. 3 , Uelzen

Frank Zucht

Anmeldung: Tel. 0581 3890121 Fr. Matzker-Steiner
Workshops sind gebührenfrei, Material wird gestellt

Symbiotisch beieinander
Zur Ausstellung „In die Wildnis“ mit Bildern von Frank Zucht im Kunstverein Uelzen
von Barbara Kaiser – 12. Juni 2022
Vielleicht ist dieser eine Satz, den der Autor Christoph Tannert im zur Ausstellung erschienenen Katalog schrieb, der Schlüssel: „Viele seiner Bilder sind nicht Belege eines Triumphes über die Natur, vielmehr ein Sieg der Intelligenz im Umgang mit ihr.“ Denn Frank Zucht, von dem hier die Rede ist, und mit dessen Arbeiten der Kunstvereinsausstellungsraum inmitten der andauernden Theatersanierung neu eröffnet wird, hat während eines Arbeitsaufenthaltes in Australien (1991/93) erkannt und verinnerlicht, dass man Natur nicht bezwingen kann. Nun sind Vernunft beziehungsweise Intelligenz und kapitalistische Produktionsweise ja zwei Dinge, die sich ausschließen. Hier heißt es immer noch: „Macht euch die Erde untertan“. Dabei kann man die größte Autorität dieser Welt, ihre Macht aus Feuer, Wasser, Sturm und Eis, nur akzeptieren. Heutzutage muss man nicht mehr bis Australien reisen für derlei Erkenntnis; ein Blick ist Ahrtal nach der Flut oder in unsere Wälder nach einem Sturm reichte aus. Wir werden die Natur nicht unterjochen, wir dürfen nur als Geschenk annehmen, was sie uns darbietet. Leider hat der Mensch das richtige Maß noch immer nicht gefunden im Umgang mit seinen Grenzen.
Frank Zucht weiß von all dem und entführt die Ausstellungsbesucher „In die Wildnis“, beschäftigt sich sowohl auf inhaltliche wie formale Weise mit dem Verhältnis Mensch-Natur. In seinen großformatigen Bildern, alle entstanden in den Jahren zwischen 2019 bis 2022, wimmelt es von Kreaturen; Fische oft, aber auch Vögel. Der Mensch ordnet sich ein. Vor allem die ganz großen Arbeiten sind komplexe Mensch-Tier-Pflanze-Verbindungen, auf denen man durch assoziatives Sehen immer Neues entdecken wird. Hier ein Glitzern, dort noch eine versteckte Figur oder eine Andeutung. Mit Acryl, Pastellkreide und Öl erarbeitet sich der Künstler mit unterschiedlichen Arbeitsweisen – gezeichnet, gemalt, gesprüht, gewalzt – einen Cluster aus Farbe und Oberflächenstruktur. Obwohl die Bilder insgesamt eher dunkel daherkommen, wird man in ihnen auch Sternenhelle, Magentaleuchten oder Himmelblau entdecken können.
Der Maler wurde im Jahr 1961 im niedersächsischen Wendeburg geboren. „Das ist nur knapp 90 km von Uelzen entfernt, deshalb freut es mich auch besonders, eine Ausstellung hier bestreiten zu dürfen“, sagte er im Interview vorab. (Siehe Magazin „Barftgaans“, 06/07-2022) Nach der Schule bestanden die Eltern auf einer „ordentlichen Ausbildung“, weshalb er Informationselektroniker bei der Firma Rollei in Braunschweig wurde. Aber nach dem Abitur (Kolleg Braunschweig) studierte er an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Über ein Stipendium schloss er in Adelaide/Australien den Bachelor ab, es folgte das Diplom in Karlsruhe. Seit 1993 lebt Frank Zucht in Berlin in einem der größten selbstverwalteten Künstlerhäuser der Stadt mit rund 50 Künstlerateliers und Gemeinschaftsflächen. „Für mich ist Kunst etwas, das im hohen Maße ein Gefühl von Freiheit erzeugen kann – gerade weil sie sich nicht auf eine einfache Antwort festlegen lässt und im Bereich des Imaginären agiert“, antwortete Frank Zucht auf eine entsprechende Frage. Und weiter: „ Die Summe der gegenwärtigen Kulturphänomene kann durchaus etwas bewirken und die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Befindlichkeit in unserer Zeit befördern.“ Er mag Recht haben, dass sich Künstler wieder mehr einmischen (wollen) in den Gang der Welt.
So will die Lyoner Kunstbiennale zum Beispiel „Ein Manifest der Zerbrechlichkeit“ werden (August bis Dezember 2022), weil diese Welt so zerbrechlich wie lange nicht geworden ist in den letzten 20 Jahren.
Von dem Berliner Maler jedenfalls hört man, vor dem Bild „Kathedrale des Zweifels“ stehend, solche bemerkenswerten Sätze wie, dass Zweifel grundsätzlich an allem angebracht sei. Auch an der eigenen künstlerischen Arbeit. Und: „Wer zweifelt, glaubt nicht leichtfertig.“ Die Arbeiten von Franz Zucht tragen Titel, obgleich damit keinesfalls eine Missionierung oder gar eine Botschaft daherkommen soll. Sind die Bilder als Flächenkompositionen aus Farbe, zunächst abstrakt organisiert, fertig, bekommen sie den. Und heißen „Der falsche Prophet“ oder „Im Dschungelklub“. Das Bild „Mit Vogel und Schlange“ ist eine geheimnisvolle schöne Frau – die Verführung pur. Aber Verführung sei ja nichts Schlechtes, antwortet Zucht und lächelt. Und nein – natürlich wolle er mit der Schlange im Antlitz der Schönen nicht die menschenerfundene Eigenschaft des Tieres auch auf die Frau angewandt wissen! Mein Lieblingsbild ist ja „Zeitfluss“. Darauf ein Mensch und ein Hund. Beieinander sitzend, in die Ferne schauend. Der Hund ist der älteste Gefährte des Menschen und man weiß ja nie, wer hier wen domestizierte. Aber dieses Zusammensein imaginiert eine ungeheure Verbundenheit, ein Vertrauen auch mit dem Blick auf Kommendes, eine kraftvolle und zärtliche Kumpanei.
Die Arbeiten von Frank Zucht leben durch ihren bildnerischen Einfallsreichtum und ein poetisches Vermögen. Vor ihnen kommt es weniger auf Verstehen an als auf das Sich-einlassen. Man erlebt eine Welt, der nach-zu-denken ein wahrhaft erregendes Abenteuer bleibt. Die Bilder oszillieren zwischen konstruktiver Rationalität und Eruption, vielleicht sind sie manchmal ein bisschen melancholisch. Immer aber dicht, intensiv und komplex.

Zur Ausstellung gehören zwei Workshops. Am Tag nach der Vernissage (12. Juni) und am Dienstag/Mittwoch, 19./20. Juli 2022, können Kinder von sechs bis zehn ein Tier selbst gestalten. Aus einer alten (Plastik)Flasche und Wolle, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Gefördert werden diese Veranstaltungen vom Land Niedersachsen über das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona. Kunst, Kultur und Kreativität für Kinder und Jugendliche“.
Anmelden können sich alle kleinen Künstler über matzker-steiner@t-online.de oder den Kunstverein Uelzen, Stederdorfer Weg 8, 29559 Wrestedt. Geöffnet ist die Ausstellung im Theaterkeller bis 10. Juli 2022. Es erscheint ein Katalog.